Welche Etiketten kennzeichnen ein echtes Schweizer Craft-Bier?

Willkommen im Dschungel des Bierregals. Alles ist „handwerklich“, „exklusiv“ oder „traditionell“. Das ist toll. Aber was garantiert das wirklich?
Die Frustration ist verständlich. Man sucht nach der leidenschaftlichen Arbeit einer unabhängigen Brauerei und stößt stattdessen auf den neuesten Marketingtrick eines Industriegiganten. Ein Bier im Anzug, das vorgibt, ein Bier für die Freunde zu sein.
Craftwashing funktioniert. Ein Großkonzern kauft eine kleine Brauerei, behält den Namen, das hippe Logo und die Geschichte des passionierten Brauers. In Wirklichkeit folgt die Produktion denselben industriellen Prozessen. In der Schweiz beherrschen Industriekonzerne über 97 % des Marktes (nach Volumen). Sie haben in den letzten Jahren mehrere Craft-Brauereien aufgekauft. Sie behalten den Namen und das Craft-Image, verändern aber nach und nach die Produktionsmethoden.
Wie finden wir uns also zurecht? Kommen wir zur Sache.
Der Begriff „Handwerklich“ ist keine geschützte Bezeichnung.
Das ist der entscheidende Punkt. In der Schweiz sind die Bezeichnungen „handwerklich“ und „handwerklich“ nicht geschützt. Es gibt keinerlei rechtlichen Schutz. Der Begriff ist nicht geschützt. Jeder kann ihn auf ein Etikett drucken.
„Handwerklich“ zu sein ist für uns eine Philosophie. Es bedeutet Unabhängigkeit, eine eigene Brauerei zu besitzen, mit Rezepten zu experimentieren und die Tanks zu reinigen. Es ist kein Diplom, das man sich an die Wand hängt.
Der Swiss Beer Award: das Gütesiegel, das den Geschmack bestätigt
Anders als der Begriff „handwerklich“ ist der Swiss Beer Award ein offizieller Wettbewerb mit strengen Richtlinien. Mehr als 1.100 in der Schweiz registrierte Brauereien können teilnehmen. Selbstzufriedenheit ist hier fehl am Platz: Die Bewertung erfolgt unabhängig und anonym.
Vier anspruchsvolle Medaillenstufen
Gold für absolute Exzellenz. Silber für sehr hohe Qualität. Bronze für konstant gute Qualität. Anthrazit für Biere, die Anerkennung verdienen, aber nicht ganz auf dem Siegertreppchen landen.
Diese Medaillen sind auf den Etiketten abgebildet. Wenn Sie eine sehen, wissen Sie, dass das Bier bewertet wurde. Nicht nur von der internen Marketingabteilung.
Eine Bewertung, die nicht betrügt
Der Prozess beginnt bei Labor Veritas AG. Dort werden im Labor technische Parameter analysiert. Anschließend erfolgt die sensorische Verkostung durch das Swiss Beer Panel. Die Proben werden anonymisiert zugestellt; niemand weiß, welche Brauerei welche Probe eingesandt hat.
Die Jury setzt sich aus Spezialisten für sensorische Analyse, Biersommeliers und Braumeistern zusammen. Die ZHAW überwacht die wissenschaftlichen Aspekte.
Ein Label, das den Geschmack bestätigt, nicht die Absicht. Nicht die Herkunft. Das Endprodukt.
Das Bio-Siegel garantiert die Zutaten, nicht den Geschmack.
Mindestens 95 % der Zutaten sind aus biologischem Anbau.
Die französischen AB- und europäischen Euroleaf-Siegel fordern mindestens 95 % Bio-Zutaten. Konkret bedeutet das für Bier: Bio-Malz, Bio-Hopfen und Bio-Gewürze.
Bio Suisse (die „Knospe“) geht noch einen Schritt weiter. Ihre Vorgaben beschränken die zulässigen Hopfensorten. Warum? Weil Bio-Hopfen nach wie vor ein limitierender Faktor ist. Nicht alle Sorten sind für den zertifizierten Bio-Anbau geeignet.
Diese Siegel garantieren Herkunft und Anbaumethoden der Zutaten. Nicht unbedingt den Geschmack. Man kann ein seelenloses Bio-Bier und ein außergewöhnliches konventionelles Bier brauen. Es ist eine Frage der Lieferkette, keine Geschmacksgarantie.
Glutenfrei-Zertifizierung: eine technische Garantie
Ein garantierter Schwellenwert unter 20 ppm
Die in der Schweiz angewandte europäische Verordnung legt den Grenzwert auf unter 20 ppm (Teile pro Million) fest. Unterhalb dieses Grenzwerts darf Bier das offizielle Logo – eine gekreuzte Weizenähre – tragen.

Unser Stirling-Bier ist seit 2024 glutenfrei zertifiziert. Jede Charge wird in einem unabhängigen Labor geprüft, um die Einhaltung der Standards zu gewährleisten. Ein Pale Ale, das den Geschmack von Gerstenmalz bewahrt und dennoch von Menschen mit Glutenunverträglichkeit bedenkenlos genossen werden kann.
Das eigentliche „Etikett“: die Unabhängigkeit der Brauerei
Etiketten geben Hinweise auf die Zutaten (Bio) und besondere Eigenschaften (glutenfrei). Auszeichnungen bestätigen den Geschmack.
Doch das eigentliche „Etikett“, das alles umfasst, ist Unabhängigkeit.
Die Kriterien für die Unabhängigkeit einer handwerklichen Brauerei
Eine echte Craft-Brauerei erfüllt mehrere Kriterien. Rechtliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit: kein Mehrheitsaktionär, der zu einem Großkonzern gehört . Räumlich getrennte Anlagen: Man braut nicht in der Fabrik eines Großkonzerns, indem man sich dienstags eine Produktionslinie anmietet.
Diese Kriterien unterliegen in der Schweiz keiner offiziellen Kennzeichnung. Sie ermöglichen jedoch eine klare Unterscheidung zwischen handwerklicher Produktion und getarnter industrieller Produktion .
Wie lässt sich Unabhängigkeit in der Praxis überprüfen?
Erster Schritt: die Website der Brauerei. Eine unabhängige Brauerei stellt üblicherweise Informationen über ihre Gründer, ihre Geschichte und ihren Produktionsstandort bereit. Bleibt alles unklar, ist Vorsicht geboten.
Zweiter Schritt: Transparenz hinsichtlich der Anteilsverhältnisse. Wirklich unabhängige Brauereien haben kein Problem damit, diese offenzulegen. Brauereien, die diskret im Besitz von Industriekonzernen sind, meiden das Thema sorgfältig.
Der Schweizer Brauerverband (ASB) vertritt die Brauereien des Landes. Eine Mitgliedschaft garantiert zwar keine Unabhängigkeit, ist aber ein Indiz dafür. Wir sind dem ASB im Mai 2025 beigetreten.
Das beste Etikett steht nicht auf der Flasche. Es ist zu wissen, wem die Brauerei gehört.

Transparenz als ultimative Garantie
Der Swiss Beer Award bestätigt die technische und sensorische Qualität. Bio-Siegel garantieren die Herkunft der Zutaten. Glutenfreie Zertifizierung schützt Konsumenten mit Unverträglichkeiten. Rechtliche Unabhängigkeit stellt sicher, dass die Brauerei die Kontrolle über ihre Entscheidungen behält.
Diese Richtlinien sind hilfreich. Sie ersetzen aber nicht die Transparenz der Brauerei selbst.
Eine Brauerei, die Verantwortung für ihren Prozess übernimmt, ihre technischen Entscheidungen erklärt, ihre Anlagen zeigt und über ihre Lieferanten kommuniziert... diese Brauerei braucht weniger Etiketten, um ihre Authentizität zu beweisen.
Seit 2014 brauen wir in unseren Tanks in Renens. Drei Freunde aus Kindertagen, die dieses Abenteuer gemeinsam wagten. Goldmedaille beim European Beer Star 2021 mit unserem Doppelhafer . Bronzemedaille 2017 mit Embuscade . Die einzige Brauerei in der französischsprachigen Schweiz, die seit 2004 Gold bei diesem Wettbewerb gewonnen hat.
Unsere beste Garantie? Wir öffnen unsere Türen. Brauereiführungen , Gespräche mit den Brauern, absolute Transparenz über unsere Arbeitsweise. Wenn Sie sich selbst davon überzeugen möchten, dass wir wirklich das brauen, was wir verkaufen, kommen Sie vorbei.
Schweizer Craft-Bier basiert auf diesen Werten. Etiketten schaffen Vertrauen. Transparenz überzeugt.
Prost 🍻